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Paul Burkhard
(1911 - 1977)

Die beiden musikalischen Komödien DER SCHWARZE HECHT und DIE KLEINE NIEDERDORFOPER sind immer noch ein Begriff und mit ihnen der Schöpfer dieser Werke: Paul Burkhard. Nicht nur an den traditionsreichen Zürcher Bühnen stehen sie regelmässig auf dem Programm. Und in Erinnerung an den Komponisten anlässlich dessen 100. Geburtstages 2011 gab die Schweizerische Post eine Sonderbriefmarke heraus; zugleich wurde in Burkhards Wahlheimat Zell im Zürcher Oberland ein Themenweg eingerichtet. Mit Ausnahme der eingangs genannten Stücke ist das übrige Œuvre, genauer gesagt das weitere Operetten- und Bühnenmusikschaffen sowie die wenigen Orchester-, Chor- und Kammermusikwerke, indessen in Vergessenheit geraten. Das mag im Werdegang des Komponisten begründet sein: Burkhard gehörte zur letzten Generation fest angestellter Theaterkapellmeister (von 1939‑1944 am renommierten Zürcher Schauspielhaus), die Operetten- und Schauspielmusik gleichsam für den täglichen Bedarf komponierten. Zunehmend verlagerte sich zudem in jener Zeit die Produktion insbesondere der Unterhaltungsmusik von der Bühne in die elektronischen Medien (Burkhard leitete von 1945‑1957 das Radio-Orchester Beromünster). Burkhard sah sich als Komponist von "leichter" wie "ernster" Musik nun gleichermassen isoliert, was ein wesentlicher Grund für seine Abkehr vom öffentlichen Leben und der verstärkten Hinwendung zur geistlichen Vokalmusik war. Er übersiedelte von Zürich ins ländliche Zell, wo er 1960 das Kinder-Oratorium D’ZÄLLER WIEHNACHT schuf, ein Krippenspiel, das ebenfalls grosse Verbreitung fand. Über hundert Werke umfasst Burkhards gesamtes Schaffen. Eines der letzten ist bezeichnenderweise das Instrumentalstück SIEBEN STUFEN DES LEBENS, eine deutlich in sich gekehrte Musik für Klarinette, Harfe und Orgel. Der Komponist starb nach längerer schwerer Krankheit am 6. September 1977 in Zell.

Burkhards musikalische Begabung wurde früh erkannt und gefördert. Geboren am 21. Dezember 1911 im Zürcher Seefeldquartier, versuchte sich der junge Paul schon als Siebenjähriger in ersten Kompositionen. Nach der Matura 1930 und dem Abschluss zwei Jahre später am Konservatorium in der Klavierklasse von Emil Frey folgte gleich ein festes Engagement als Korrepetitor und Kapellmeister am Stadttheater Bern. Zurück in Zürich konnte er Mitte der 1930er-Jahre mit seinen ersten beiden Operetten HOPSA und 3x GEORGES gleich grösseres Aufsehen erreichen. Der Aufenthalt darauf in Berlin fiel aufgrund der aufkommenden politischen Unruhen nur kurz aus und Burkhard trat die Theaterstelle in Zürich an. Es entstanden 1939 sein Lokalstück DER SCHWARZE HECHT, mit dessen hochdeutschen Bearbeitung er elf Jahre später weit über die Schweizer Grenzen hinaus bekannt werden sollte, und 1951 der Kassenschlager DIE KLEINE NIEDERDORFOPER. Ein ähnlicher Erfolg war ihm 1959 noch mit der Musik zu Friedrich Dürrenmatts Komödie FRANK DER FÜNFTE vergönnt.

Der als Person eher unscheinbar wirkende Burkhard wurde für seine kompositorische Arbeit gefeiert. Ebenso galt er als ausgezeichneter Musiker und Dirigent. Sein Auftreten war umgänglich und geduldig, freundschaftlich und gewinnend. Er sei ein "charmanter Meister der kleinen Dinge", würdigte ihn einst der Komponistenkollege Hans Schaeuble. Doch die Festlegung von Burkhards Kunst allein auf die heitere Muse hatte ihrerseits auch etwas Kränkendes. Und so blieb Burkhard bei aller Anerkennung nicht nur wegen seiner persönlichen Biografie letztlich ein Aussenseiter.

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